SHAITAN
Die Auferstehung und der Fall Shaitans (wie er von dem elenden Hochverräter Marceth berichtet wurde!)
Der scheinheiligen Einladung der schwächlichen Herzogin des schändlichen Oberflächenreiches Valinor folgend, ließen wir – das ehrwürdige Adelshaus Maerreth – die Anmut unserer Unterwelt hinter uns, um des Nachts der angeblichen Geburtstagsfeier des jungen herzöglichen Sohnes beizuwohnen. Da alle menschlichen Wachen der sinnlosen Fröhlichkeit frönten, war es uns ein Leichtes, ungesehen den Ort des Geschehens zu betreten. Einer Herrscherrasse gemäß erschienen wir in prachtvollem Aufzug und alle beugten voller Demut und Ehrfurcht die Knie vor der Herrlichkeit unseres Hauses. Während der Festlichkeiten, bei denen uns ein Tisch – wie es sich geziemte – abseits der niederen Rassen angeboten wurde, um unsere Überlegenheit den anderen Gästen gegenüber zu verdeutlichen, kam es zu einem ominösen Zwischenfall: Ein Dimensionstor hatte sich direkt auf dem Burghof aufgetan und ein Schwall dämonischen Abschaums ergoss sich daraus. Doch wie es bei solchen Feiglingen Sitte war, verschanzten sich die Gäste, wie in die Enge getriebene Tiere, dem Untergang harrend. Die starken Angehörigen des Hauses Maerreth zogen es hingegen vor zu handeln: Im Schutz der Dunkelheit traten wir unseren Widersachern entgegen und brachten ihnen – im Gegensatz zu unseren eingeschüchterten Gästen – erhebliche Verluste bei. In dieser Nacht fielen uns außerhalb der Festung eine valinorische Menschenfrau, die mit einer mächtigen unirdischen Rüstung ausgestattet war, und diverse Dämonenattrappen in unsere fähigen Hände. Die Frau musste von ihrem dämonischem Fluch „erlöst“ werden, und mir obliegte es, ihr einen schnellen und dennoch schmerzvollen Tod zu gewähren. Mit zur Hilfenahme der ergatterten Attrappen dämonischen Ursprungs lieferten wir entgültig den Beweis unserer ernormen Überlegenheit und führten zugleich den niederen Rassen ihre eigenen Unfähigkeit vor Augen, so dass wir während unseres weiteren Aufenthaltes unbehelligt unseren Aufgaben nachzugehen vermochten. Am nächsten Morgen wagten es dann tatsächlich noch die verkrüppelten Wachen der Herzogin unsere ehrwürdigen Priesterinnen zu behelligen, indem sie nach mir – Marceth – verlangten und mich der Gerichtsbarkeit schwachen Oberflächengesindels zu unterwerfen gedachten. In einem lächerlichen Prozess bewiesen abermals unsere Frauen ihre Macht und meine Bestrafung wurde in deren fähigen Hände gelegt. Während wir am Tage zur Untätigkeit verdammt waren, wuchs in den Köpfen der Drow der Plan sich mit Shaitan, dem Höllenfürsten, der sich mittlerweile uns zu erkennen gegeben hatte, zu verbünden. Das vorherige schicksalhafte Duell zwischen mir und einem geflügeltem Unhold überzeugte selbst mich von der Herrlichkeit dessen faszinierender Gottheit Shaitan. Dieses machtvolle Bündnis vermochte wir in einem noch viel machtvollerem Ritual zu besiegeln, wobei uns der Höllenfürst mit vielen „Geschenken“ zu ködern versuchte, um sich unserer drowschen Loyalität zu versichern. Im Gegenzug wurde uns ein Vertrauensbeweis abverlangt, der den Tod des ketzerischen valinorischen Alchemisten beinhaltete, der den lichten Gästen eine mächtige Waffe gegen den dunklen Meister konstruierte. Hah! Selbstverständlich wurde diesem Krüppel seine gerechte Strafe – in Form eines grausamen Todes – zuteil. Trotz aller Gefälligkeiten seitens Shaitans des Allmächtigen, trugen unsere Llothanbeterinnen die Saat des Verrates in sich, und so war es nur eine Frage der Zeit bis diese den glorreichen Pfad Shaitans verließen und sich wieder der schwachen Spinnengöttin zuwandten. Natürlich war es meine rechtmäßige Pflicht, meinen neuen Meister von deren Plänen in einem Gebet zu unterrichten, wobei dieser mir weiterhin für meine Ergebenheit verheißungsvolle „Belohnungen“ in Aussicht stellte. Die schwarze Orchidee zögerte daraufhin nicht lange und griff mit geballter Kraft unsere Brut an, so dass sich das inzestuöse Haus Maerreth nur mit schweren Verlusten in Sicherheit zu bringen vermochte. Ich hoffe inständig, dass dies unserem törichten Adelshaus deutlich vor Augen geführt hat, dass man niemals den Versuch unternehmen sollte, einer allmächtigen Gottheit hinterrücks einen Dolch ins Herz zu stoßen! Trotz dieser „Lektion“ erachteten es die Drowpriesterinnen als ratsam mich in aller Öffentlichkeit für meine uneingeschränkte Loyalität Shaitan gegenüber zu demütigen und ihm im Namen Lloths abzuschwören. Vermutlich hätte mich dies mein Leben gekostet, hätte mir der Höllenfürst nicht die Kraft gegeben dieser unbeschreiblichen Tortur standzuhalten, indem er mir die Aussicht auf ein ewig währendes Leben gewährt hätte! Ich würde niemals meinen großzügigen Meister verrate, niemals!!! Die Abtrünnigkeit der Drowweiber reichte sogar soweit, dass sie sich kurzzeitig mit dem Oberflächenabschaum verbündeten, um in einem gemeinsamen Ritual das sagenumwobene Buch zu erschaffen, das das Schließen der Höllenpforte bewirken sollte. Aber sie werden alle scheitern, denn mein Herr und Meister ist bereits sehr nahe und das Dimensionstor wird immer größer und größer! Und es ist meine Aufgabe die schwarze Orchidee mit allen erdenklichen Mitteln zu unterstützen! Tatsächlich ergab sich kurz vor dem Ritus die einmalige Gelegenheit, den Drowmagier El´Kanthar und die Drowpriesterin Nensith zu meucheln, von der ich selbstverständlich gnadenlos Gebrauch machte! Während die letzten treuen Narren des Drowhauses Maerreth mit dem restlichen Oberflächendreck vor dem Ritualraum Aufstellung nahmen, um diesen vor dem Ansturm der Dämonen zu schützen, begann im inneren die heidnische Zeremonie zur Verbannung Shaitans. Dabei wurde das Leben des letzten männlichen Drowkriegers – Kaldizz – von der Spinnenkönigin Lloth eingefordert. Welch ein Narr- hätte er doch weiterhin meinem Höllenfürsten die ewige Treue geschworen, wäre ihm dieses undankbare Schicksal erspart geblieben! Unterdessen wurde im Freien eine gewaltige Schlacht zwischen den Anhängern der schwarzen Orchidee und den schwachen Rassen geschlagen: Und obwohl für die „freien Völker“ keinerlei Aussicht mehr auf einen Sieg bestand, gelang es dennoch unserer drowschen Hohepriesterin Si´Nayira Thi´Raine Maerreth und zweien nicht weiter nennenswerten menschlichen Magiern, das Buch durch die Reihen der dämonischen Schatten in das Portal zu tragen und somit Shaitan in den Abgrund zu stoßen! Dies stellte die entgültige Verbannung meines Gebieters Shaitan dar, die unserem Adelshaus dennoch viel abverlangt hatte. Nichtsdestotrotz ist mir zu Ohren gekommen, dass Kaldizz durch den Fall des Höllenfürsten wieder zum Leben erweckt wurde und dass unsere Hohepriesterin durch ihre ruhmreiche Tat in höchsten Ehren in das Schattenreich der Spinnenkönigin Lloth eingegangen ist. Bis heute ist es mir unbegreiflich, wie es unser Haus vermochte, die Pforte zu schließen und ja selbst den mächtigsten aller dunklen Götter – SHAITAN, die schwarze Orchidee – zu besiegen! Nun aber ist das Höllentor versiegelt und mir blieb nichts anderes als die Flucht. Ein armseliger Drow ohne eine Gottheit und ohne jegliche Hoffnung. Die Häscher meiner ehemaligen Mutter Oberin Ninialith Maerreth sind sicher schon auf dem Weg hierher, um mich zu holen, und in einer Stunde geht bereits die verdammte Sonne auf. Der Weg ins Unterreich ist mir versagt und in dieser Welt werde ich mit Sicherheit vergehen! So ist es mein Schicksal selbst mein Todesurteil am mir zu vollstrecken. Möge meine Seele heil den Weg in das Totenreich irgendeiner x-beliebigen Gottheit finden!!! Marceth
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